Ein Meister des Tabaks
Omar Ortez ist der älteste familiengeführte Zigarrenhersteller Nicaraguas. Tabake aus Condega bilden das Herzstück der Marke.Grosse Zigarrenmarken beschäftigen in Nicaragua tausende von Mitarbeitern. Neben den Big-Playern existiert aber auch eine Vielzahl von kleineren und mittleren Betrieben. Dazu zählt auch die Fabrik der Familie Ortez in Condega. In diesem pueblito (Deutsch: Dörfchen), wie Omar Ortez den 20’000-Einwohner-Ort nennt, sei er aufgewachsen, erzählt er uns auf dem Weg von Estelí nach Condega. Die Fahrt in sein Heimatort führt über die berühmte Verbindungsstrasse Panamericana und dauert eine gute Stunde, obwohl wir nur 30 Kilometer zurücklegen. Condega gehört zu den Hauptanbaugebieten für Tabak in Nicaragua – neben Estelí, Jalapa und Ometepe.
Bevor die Kubaner nach der Revolution den tabaco negro nach Nicaragua brachten, bauten die Bauern in Condega Virginia-Tabak für die Zigarettenproduktion an. Ab 1967 lernte der Vater von Omar Ortez das Tabak-Handwerk von den aus Kuba geflüchteten Zigarren-Unternehmern. 1983 machte der Vater sich selbständig und Omar trat in das Familiengeschäft ein. Im Jahr 1995 bot sich ihm die Gelegenheit, eine kleine Manufaktur zu eröffnen. Das macht Omar Ortez heute zur ältesten familiengeführten Zigarren-Fabrikation Nicaraguas. Bereits drei Jahre später entstand das heutige, elegante Fabrikgebäude.
Nebenher produziert und verarbeitet die Familie weiterhin Tabake und verkauft sie weiter. Zu den Abnehmern gehörte auch J.C. Newman. Als im Jahr 2003 plötzlich der Produktionsleiter von J.C. Newman ausfiel, sprang Omar Ortez ein und half dem Unternehmen. Daraus entwickelte sich eine jahrzehntelange Freundschaft. Heute leitet Omar Ortez die Produktion der neuen J.C. Newman-Manufaktur in Estelí. Das eigene Unternehmen in Condega führt inzwischen Tochter Anielka.
«Der Tabak von Condega hat die Eigenschaft, Balance in den Blend zu bringen», erklärt Omar Ortez. Estelí bringe Kraft und Süsse in die Mischungen, die Tabake von Jalapa seien leichter. Der Tabak aus Condega verbinde die beiden Welten, so Ortez. Viele Aficionados setzen die Tabake von Estelí mit dem Tabak von Nicaragua gleich. Doch das Land hat mehr zu bieten als die Power-Tabake aus dieser Region. Die Blends der drei Linien Omar Ortez Original, Maduro und Connecticut baute das Unternehmen um die Tabake aus der Familien-Produktion in Condega herum auf. «Sie sind aromatisch, aber man kann sie zu jeder Tageszeit rauchen», sagt Omar Ortez. «Der Gaumen bleibt sauber. Ist die Zigarre fertig geraucht, möchte man am liebsten eine neue anzünden».
Die Zigarren sind in schlichten Kisten verpackt, die den Namen des Firmengründers tragen – Omar Ortez Original. «Wir hatten damals keine Erfahrung und wussten nichts von Marketing. Wir machten es so, wie wir dachten, dass es gut ist. Unser Angebot lautete: Eine gute Zigarre zu einem guten Preis». Im US-Markt sind die Zigarren von Omar Ortez seit 20 Jahren erhältlich. Importeur Altadis hat die Marke gut etabliert. Tochter Anielka will jetzt neue Märkte erschliessen: Europa und sogar China.
Als wir zurückfahren, zeigt uns Omar, wo er geboren ist: «Dort an der Ecke, einen halben Block von der Fabrik entfernt.» Später passieren wir die Universität, an der er als junger Mann Agronomie studierte. «Todo mi vida he trabajado con tabaco. No se hacer otra cosa.» (Deutsch: Mein ganzes Leben habe ich mit Tabak gearbeitet. Etwas anderes kann ich nicht.) Wenn man in Estelí über Omar Ortez spricht, heisst es anerkennend: Er ist ein Meister des Tabaks.












