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Aufatmen in Nicaragua

Die Zigarrenindustrie in Nicaragua bleibt von Strafzöllen der USA verschont. Hart getroffen von US-Sanktionen wird die Altadis-Fabrik Tabacalera de García in der Dominikanische Republik.
#ZIGARREN 21. Dezember 2025

Kurz vor Weihnachten darf die Zigarrenindustrie in Nicaragua aufatmen: Nachdem die US-Regierung Nicaragua zusammen mit Kuba und Venezuela für die «Migrationskrise» verantwortlich gemacht hatte und dem Land mit hohen Strafzöllen drohte, gab das «Office of the United States Trade Representative» jetzt die beschlossenen Massnahmen bekannt. Demnach werden schrittweise und ab 2027 Zölle eingeführt, jedoch nur auf Produkte, die nicht vollständig in Nicaragua hergestellt werden. Zigarren aus Nicaragua haben damit weiterhin freien Zugang zum wichtigen US-Markt. Eine gute Nachricht für die 65’000 Arbeiter und ihre Familien, die in Nicaragua von der Zigarrenherstellung leben.

In ein anderes Gewitter geriet unvermittelt Zigarren-Hersteller A.J. Fernandez, der für den Tabakriesen Altadis die US-Versionen von Montecristo und H. Upmann fertigt. Altadis wurde im Zuge des Habanos-Deals an ein Konsortium aus Hongkong verkauft. Wie unlängst ans Licht kam, waren die Käufer in kriminelle Aktivitäten verwickelt. Während einer der Investoren bereits in Haft sitzt, tauchte der zweite Teilhaber unter und wurde wegen Verbindungen zu illegalem Glücksspiel und Geldwäsche von den USA auf die OFAC-Sanktionsliste gesetzt. In Nicaragua wuchs die Sorge, dass Altadis seine Operationen unter diesen Umständen nicht ungehindert fortführen kann.

Recherchen des Portals Halfwheel bringen jetzt mehr Klarheit: Besonders hart treffen die Sanktionen die Tabacalera de García in der Dominikanischen Republik, bis anhin mit rund 4’000 Beschäftigten einer der grössten Zigarrenhersteller der Welt. Die Fabrik fertigte Altadis-Marken wie VegaFina, Henry Clay sowie die US-Versionen von Montecristo und Romeo y Julieta. Über ein Geflecht von Mantelgesellschaften gehört sie zur sanktionierten Investorengruppe – und darf damit nicht mehr in die USA liefern. Nicht betroffen ist jedoch das US-Geschäft von Altadis mit dem Online-Riesen JR Cigars und der Ladenkette Casa Montecristo. Beim Habanos-Verkauf ging der Altadis-USA-Teil an einen Käufer namens Gemstone Investment Holding Ltd. An diesem halten die sanktionierten Habanos-Investoren offenbar keine Anteile.

Altadis USA hat deshalb damit begonnen, die Produktion ihrer Marken aus der Dominikanischen Republik zu bestehenden Partnern in anderen Ländern zu verschieben. Halfwheel nennt namentlich A.J. Fernandez und Plasencia. Eine unerwartete Wendung für die Hersteller in Nicaragua, die vor wenigen Wochen noch vor Strafzöllen zitterten. Dramatisch sind hingegen die Konsequenzen für die Mitarbeiter der Tabacalera de Garcia in der Dominikanischen Republik. Gemäss Halfwheel hat das Unternehmen bereits Kündigungen ausgesprochen und die Teilnahme am Procigar-Festival im kommenden Februar abgesagt.